Hintergrund der Veranstaltung(en)...

Bereits seit Ende der 60er Jahre gibt es in der BRD eine militante Neonazi-Bewegung. In den letzten zehn Jahren haben sich diese Strukturen unübersehbar vermehrt und verstärkt. In manchen Regionen ist ,Rechts-Sein" so ,in" geworden, dass andere Jugendkulturen oder Menschen, die den Nazis nicht passen, brutal verdrängt werden. Das kann in der Disko anfangen und bis zur alltäglichen Terrorisierung in der Schule, auf der Straße oder in ganzen Orten oder Stadtteilen führen.
Auch in Bremen und Umgebung treten Neonazis immer stärker in Erscheinung.

NPD/JN
Als Anfang der 90er Jahre viele Nazi-Organisationen und -Parteien verboten wurden, erhielt die "Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD) enormen Zuwachs. Zusammen mit ihrer Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) ist sie heute eine der wichtigsten neofaschistischen Organisationen der BRD. Als legaler Arm der gesamten neofaschistischen Szene Iässt sich hier das ganze rechtsradikale Spektrum von Altnazis bis zu jungen Skins finden. So ist die NPD/JN nicht mehr als reine Wahlpartei zu sehen, sondern vor allem als Organisation, die lautstark den Kampf auf der Straße propagiert und in den vergangenen Jahren zahlreiche Aufmärsche organisiert und unterstützt hat. Im Land Bremen hat die NPD an die 60 Mitglieder, tritt unter anderem zu Bürgerschaftswahlen an und organisiert Infotische. Nachdem ihr Versuch am 1. Mai 1999 in Bremen zu marschieren scheiterte, fanden am 23. Mai 99 in Blumenthal, am 15.1.2000 in Weyhe und am 17. Mäz 2001 in Vegesack Aufmärsche statt.

Freie Kameradschaften
Die andere Organisierungsform aktiver Neonazis besteht aus über das gesamte Bundesgebiet vernetzten Kleingruppen. In Norddeutschland haben sich diese zum "Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Norddeutschland" zusammengeschlossen.

Der "Nationale Widerstand Bremen" sieht sein Hauptaktionsfeld im Ausbau von Strukturen in Stadtgebieten und Umlandgemeinden, vor allem da, wo es keine oder wenig linke Subkultur gibt. So kommt es vermehrt vor, dass sich Nazikader in ländlichen Gebieten, in denen sie wenig Widerstand zu befürchten haben, niederlassen. In diesen Dörfern und Gemeinden mobilisieren sie junge Nazis und versuchen, durch Plakatier- und Aufkleberaktionen, rassistische und faschistische Positionen salonfähig zu machen.
Die beiden Organisierungsansätze- legale Partei und "Freie Kameradschaften" - arbeiten je nach Region mehr oder weniger eng zusammen. Ihr bundesweites Mobilisierungspotential zeigt sich bei Massenaufmärschen mit bis zu 5000 FaschistInnen.
In Bremen und Umgebung gibt es mittlerweile an die acht Kameradschaften, die oft direkt mit NPD/JN zusammenarbeiten.

Die Aktivitäten der Bremer Nazis beschränken sich nicht auf das Zuplakatieren einzelner Dörfer und das Mitmarschieren bei Aufmärschen. So gab es zwischen Januar und September 2000 mehr als zehn Anschläge auf linke Einrichtungen und PKWs (davon allein vier auf das Büro der "Vereinigung Verfolgter des Naziregimes"). Außerdem kommt es immer wieder zu Übergriffen auf Migrantlnnen und Linke und zu Störaktionen bei antifaschistischen Infoveranstaltungen. Der Sprengstofffund bei einem Mitglied der Kameradschaft Bremen-Nord im Oktober 2000 verdeutlicht, wie militant die hiesige Naziszene ist.

White Noise
Ein weiteres Betätigungsfeld der Neonazis ist die Verbreitung ihrer Ideologie über Musik. Die wichtigsten internationalen Naziskin-Strukturen in diesem Bereich sind "Blood&Honour", sowie ,Hammerskins", die "Rechtsrock" vertreiben und herausbringen, Konzerte organisieren und sich in Zeitschriften und im Internet äußern. Neben der Möglichkeit, über Texte faschistisches Gedankengut zu verbreiten, bieten Konzerte durch die Vermittlung von Kameradschaft und Zusammengehörigkeit ein sehr gutes Mobilisierungsfeld. Neben der ideologisch-kulturellen Sinngebung wird mit Millionengewinnen auch die politische Arbeit neonazistischer Gruppen finanziert.
Auch im Bremer Raum gibt es eine ausgeprägte Nazirock-Szene. Mit "Hanse Records" existiert ein Vertrieb mit zugehörigem Label, außerdem gibt es bundesweit bekannte Bands wie "Endstufe" oder "Boots Brothers", sowie die Magazine "Heimatfront" und "Der Skinhead". Im November 1999 fand in Vollersode im Landkreis Osterholz-Scharmbeck ein Konzert mit 400 Nazis statt. Etwa ein Jahr später wurde diese Anzahl auf einem Konzert in Brinkum/Stuhr noch um weitere 200 übertroffen.


Die unten aufgelisteten Veranstaltungen sind eine Zusammenarbeit von antifaschistischen Gruppen aus Bremen, Delmenhorst, Osterholz-Scharmbeck, Verden und den Jugendfreizeitheimen Farge und Aumund.

Can you kick it? - Yes, you can!!

Kick it! will als antirassistische und antifaschistische Initiative dem neofaschistischen Treiben entgegentreten. Mit verschiedenen Veranstaltungen soll zunächst einmal über die Naziszene informiert werden.
Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeigt deutlich: Überall dort, wo dem rechten Mob politisch und kulturell nicht entgegengesetzt wird, nimmt er mehr und mehr Raum ein. Da aber, wo sich Leute zusammentun, um offensiv etwas gegen Nazis und Rassistlnnen zu tun, können diese sich nichr mehr so ungehindert ausbreiten. Mit der oben beschriebenen Entwicklung der neofaschistischen Jugend-Szene wird kein Ort alleine klar kommen, und um dem rechten Mainstream mehr entgegenzusetzen brauchen wir Alternativen, kulturell und sozial engagiert. Deshalb versucht kick it! vermehrt Verbindungen antifaschistischer und antirassistischer Gruppen zu schaffen, mit Schwerpunkt auf die Region Bremen und die umliegenden Orte. Kick it! kann und will allerdings nur ein Teil vom Ganzen sein. Denn wie anderswo ist auch in dieser Region viel zu tun... Nach den Vorträgen soll deshalb Raum sein für die Frage "wie und was tun gegen Nazis?".

Die Antwort auf diese Frage wollen wir nicht irgendwelchen Institutionen überlassen. Wir denken, es ist besser, selber aktiv zu sein, Politisch, kulturell und sozial. Und hoffentlich demnächst mit euch zusammen!

Kick it Party am Samstag, 21. April 2001 ab 22.00 Uhr in Bremen, Sielwallhaus, Sielwall 38

Außerdem wird noch eine Antifa-Demo im Mai oder Juni organisiert, die später angekündigt wird.
Kurzfristig bekannt gegeben werden auch noch Veranstaltungen in Brinkum und Stuhr.

Veranstaltungstermine

»Militanter Neofaschismus«
Ein Überblick über die Nazistrukturen in Deutschland seit 1989: NPD/JN, »Freie Kameradschaften« und ihre kulturellen und politischen Strategien.

»White Noise - Begleitmusik zu Mord undTotschlag«
soll das Geschäft des »Rechtsrock« beleuchten, das sowohl Einnahmequelle als auch Propagandamittel neonazistischer Ideologie ist.

FARGE:
»Militanter Neofaschismus« Dienstag, 24.4.01, 19:00 Uhr
»White Noise - Begleitmusik zu Mord und Totschlag« Do, 3.5.01, 19:00 Uhr
beide im Jugendfreizeitheim Farge, Rekumer Straße 2

OSTERHOLZ- SCHARMBECK:
»White Noise - Begleitmusik zu Mord und Totschlag« Fr 27, 4.01,18:00 Uhr, anschließend Party
»Militanter Neofaschismus« Fr. 18.5.01, 18:00 Uhr
beide im KuZ Kleinbahnhof, Am Kleinbahnhof 1

DELMENHORST:
»White Noise - Begleitmusik zu Mord und Totschlag« Samstag, 28.4. 01, 18:00 Uhr,
anschließend Konzert mit den HC/ Punkbands Playground Terrorists und Kobayashi in der Villa, Oldenburger Str. 49
»Militanter Neofaschismus« Di, 8.5.01, 18:00 Uhr Gymnasium an der Willmsstraße, Willmsstr. 3

VERDEN:
»Militanter Neofaschismus« Montag 7.5.01, 18.00 Uhr
»White Noise - Begleitmusik zu Mord und Totschlag« Freitag 11.5. 01, 18.00 Uhr,
anschließend Konzert beide im Jugendzentrum Dampfmühle, Lindhooperstr. 7

AUMUND:
»Militanter Neofaschismus« Montag, 14.5.01, 19.30 Uhr
»White Noise - Begleitmusik zu Mord und Totschlag« Montag 28.5. O1, 19.30 Uhr
beide im Freizeitheim Amund, Aumunder Heerweg 89

Bei Interesse an weiteren Veranstaltungen oder Nachfragen wendet Euch an
kick it!,
St. Paulistr. 10-12,
28203 Bremen
e-mail:kickithb@web.de
oder sprecht eine Nachricht auf unseren Anrufbeantworter, wir rufen zurück : 0421/79 47 96 82.

[Quelle: kick it! Flugblatt]

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